Archiv der Kategorie 'Greyzone'

Kein noch so tiefes Glas hat Zweck…

Am 9. Dezember 2011 soll im Jugendkulturhaus Dynamo//Werk 21 in Zürich das seit einigen Jahren stattfindende „United Streetkids Festival“ erneut über die Bühne gehn.

USK Festival 2011
Eisenkreuz und arisches Mädel.

Dem Veranstalter, der sich selbstsicher sexistisch „Verein zur Förderung des Mannes Gut“ nennt, ist es scheinbar egal, auf dem Festival eine ganze Palette an Grauzone-Bands aufspielen zu lassen. Von den KrawallBrüdern über die Roials bis zu Haggis in den letzten Jahren, treten dieses Jahr The 4Skins auf. Diese spielten bisher eigentlich ganz vernünftigen Punk der alten Schule. 2010 Jedoch haben sie das Album „The Return“ herausgebracht und es spricht für sich selbst. Hier ein Auszug:

Im Song „Take no more“ heißt es: „Immigrants overun our land. Benefits office with an outstretched hand Competing for our homes and jobs,. Begging in their gypsy mobs Our country’s full, fear the worst […]“.

Die Stellungnahme seitens The 4Skins, lediglich die aktuellen Debatten in England zu reflektieren, klingt sehr halbgar. So driftet die Band mit ihren Texten – evtl. unbeabsichtigt – in die übliche Stammtischhetze ab. Anstatt Kritik am Kapitalismus als Ursache angesprochener Probleme zu üben (wo doch gerade die Skinhead-Szene das Klassenbewusstsein predigt), werden stumpfe Phrasen wie die obige rausgehauen, die genau so gut in irgend einer Bauerndorfkneipe hätten stattfinden können.

Über die bisherigen Line-Ups und die anderen Bands 2011 braucht man nicht viel zu sagen. Wer wo mit wem spielt oder gespielt hat, darüber berichtet Oire Szene regelmäszig. Mir ist bewusst, dass dort teils Dinge an den Haaren (haha) herbeigezogen sein können. Man muss sich jedoch im Gegenzug fragen, ob eine etwas harschere Berichterstattung nicht vonnöten ist in Zeiten, in denen sich Rechte jeglicher couleur offen in einer im Kern antibürgerlichen und antifaschistischen Subkultur bewegen können.
Die meisten Informationen dort sind mit Quellen belegt und können im Internet nachgeprüft werden. Das Argument der angeblichen Verleumdung zieht also nicht. Wer sich ernsthaft als antirassistisch/antifaschistisch definiert, geht dort also Konsequenterweise nicht hin und wirft Musiker_innen und Veranstalter_innen, welche keinerlei Berührungsängste zur braunen Volksküche haben weiterhin Geld in den Rachen.

Ex(?)-Neonazi organisiert Konzerte in Zizers

Exponenten aus Neonazistrukturen haben es selbst in eigentlich antifaschistischem Umfeld immer leichter, Boden gut zu machen. Ein Name taucht dabei in der Umgebung von Chur auf: Ralf „Manole“ Marschner. Nachdem dieser vor gut zwei Jahren Sachsen wegen persönlichen Intrigen mit der dortigen Szene fluchtartig verlassen musste, hat er sich in der Schweiz niedergelassen und versucht nun, nachdem sich der Rummel um seine Person gelegt hat, Bande mit der hiesigen Punk/Skinhead-Szene zu knüpfen, indem er unter dem Pseudonym Kit Rock* im Event Stage Zizers Konzerte organisiert.
Ende der 90er-Jahre eröffnete Marschner, welcher damals Sänger der Blood & Honour-Band Westsachsengesocks war, einen Laden an der Kreisigstrasze 5 in Zwickau, den The Last Resort Shop, welcher bis heute existiert. Zu erwerben gab/gibt es von Thor Steinar-Bekleidung über Musik von Landser bis hin zum Vorverkauf von Tickets für Fight Club-Events* alles, was das braune Herz begehrt(e). Diese Location wurde schätzungsweise 5 Jahre lang von Marschner betrieben, bis er in Zwickau ein neues Geschäft eröffnete (Heaven & Hell), allerdings ohne den Verkauf offensichtlicher Nazimarken. Marschners letzter Streich ist die Streetwear-Marke Barstool Sports*, welche unter Neonazis und Hooligans bis heute sehr beliebt ist.

Auch musste er sich am 15.11.2004 vor dem Dresdner Landgericht wegen Verbreitung von rechtsextremer Propaganda verantworten, weil er Anteil an der Produktion und am Vertrieb der verbotenen Landser-CD Ran an den Feind genoss:


Der bundesweite Vertieb wurde nach Beendigung des gesamten Produktionsprozesses von Jan Werner und seinen beiden Movement Records- Helfern Michael Häse und Sebastian Andrä vorbereitet. Ebenfalls in den Vertrieb involviert war Werners Freund Thomas Starke (Dresden), der sich mit der Bereitstellung von ca. 9.000 DM quasi in die Produktion der CD »einkaufen« konnte. Ende Oktober 2000 wurde ein anonym abgefasster Brief an 19 ausgesuchte Händler für neonazistische Musik verschickt. Er enthielt die Bestellmodalitäten und eine CD ohne Booklet zur Untermauerung des Angebots. Die Angeschriebenen bekamen am 27. Oktober einen Anruf und ein »Otto« fragte sie, wie viele »T-Shirts« sie zugeschickt haben wollten. Die »TShirts« waren der Codename für die CDs, der Anrufer war Thomas Starke. Positive Antworten bekamen die Vertreiber u.a. von Ingo Grönwald vom Phoenix-Versand aus Weimar, Gunther Lotze vom Apache-Laden aus Sachsen, Sven Schneider vom Hatesounds- Versand aus Borkwalde, von Markus Thielke vom New Dawn-Laden in Anklam, von Ralf Marschner vom Last Resort Shop in Zwickau und von einem CD-Händler aus Nidda. Alle sechs erklärten sich bereit, insgesamt 3.150 CDs abzukaufen. Die CDs wurden umgehend rausgeschickt.

Quelle: http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/61/6.php

Wer weisz, welche Kontakte zur rechten Szene er heute noch pflegt. Fakt ist, dass ehemalige Neonazis, welche in diesem Ausmasz mit einer sehr groszen und weiterhin expandierenden Neonaziszene verknüpft waren (sind?), keinen Platz in einer antifaschistischen und emanzipierten Szene finden dürfen, um ihre krummen Geschäfte zu drehen, selbst wenn es ihnen heute noch nur um die Kohle geht.

Kein Fuszbreit den Faschisten
Keine Geschäfte mit „Ex“-Nazis

Ralf \"Manole\" Marschner
Ralf „Manole“ Marschner