I‘m not change!

Mit etwas Verspätung möchte ich an dieser Stelle noch ein paar Worte über die „Occupy Paradeplatz“-Bewegung verlieren. Diese hatte sich am vorletzten Samstag bunt gemischt am Paradeplatz in Zürich eingefunden, um gegen die „Finanzwelt“ und den „Heuschreckenkapitalismus“ ihre Stimme zu erheben. Auf den vielen, meist dilettantisch angefertigten Plakaten wurde nicht nur extrem verkürzte Kritik am Kapitalismus geübt, sondern auch offen zum Mord an Bankern aufgerufen. Diese werden nämlich beim Groszteil der Ansammlung von „Empörten“ zum alleinherrschenden und unkontrollierten Übel der Welt gemacht und in der Konsequenz eine Verstaatlichung bzw. eine Regulierung des Finanzwesens oder gar „freies Geld“ geordert. Ein Symptom wird so zur Krankheit selbst, einfache, simplifizierte Erklärungen werden zur Kritik.

Der Mob hat entschieden.

Der Mob hat entschieden. Im Kontrast sehr belustigend auch das untere Plakat: „Don‘t hate the player, hate the game“.

Aber nur die

Aber nur die „Finanzwirtschaft“.

Dann wird alles gut. Klar.

Dann wird alles gut. Klar, oder?

Konkrete Forderungen...

Konkrete Forderungen…

...und passende Lösungen.

…und dazu passende Lösungen. Ja ne, is klar.

Wen wunderts, dass sich unter jutesacktragenden Hippies, Esoterikern und Zinskritikern auch konspirationistische Gruppen mischten und die Gelegenheit ausnutzten, ihre verdrehten und regressiven Ansichten den anwesenden Otto-Normalbürgern unter die Nase zu reiben. Neben dem mit einem kleinen Infostand vertretenen „Zeitgeist-Movement“ (mitsamt bereits indoktriniertem Anhängsel) beteiligten sich vor allem die Querfrontler und Verschwörungstheoretiker von „We Are Change Switzerland“ an der Meinungsmacherei.

Zeitgeist...

Zeitgeist...

Zeitgeist…

...mit Anhängsel

…mit Anhängsel

Letztgenannte hatten auch ein paar lustige Plakate dabei:

das Üb(e)liche...

das Üb(e)liche…

...und mehr

…und mein persönliches Highlight

Immer wieder erstaunlich, wie viel Quark man auf einen Quadratmeter drucken kann. Selbst gemessen daran, was sonst so verbreitet wird, habe ich selten so etwas unzusammenhängendes und wirres gesehen. Da werden Personen, V-Theorien und okkulte Zahlenspielereien so zusammengewürfelt, dass man sich nur noch (mehr als sonst schon) an den Kopf fassen konnte. Zum Glück wurden zwei dieser Exponate schluszendlich entsorgt, damit wenigstens die gröszten Gedankenfürze unschädlich gemacht wurden.

Auf eine fundierte Diskussion wollte man sich dann doch nicht einlassen, jede andere Meinung pflegte man mit äusserst aggressiver Stimmlage zu übertönen und es wurde gar mit der Polizei gedroht. Mit dieser hatten die Organisatoren der Platzkundgebung, wie mir zu Ohren gekommen ist, regen Kontakt, um bei Bedarf mit Videomaterial von allfälligen Ordnungswidrigkeiten zu dienen.

Herr mit Kamera

Der Herr mit der Kamera, einer der „We Are Change“-Agressoren.

Von all den Materialien, welche mir an diesem Samstag Nachmittag untergekommen sind, gab es gerade mal zwei positiv anzusehnde Texte, welche auch näher ausführten, warum die im ersten Abschnitt erwähnten Forderungen an die Politik Humbug sind. Wer sich vielleicht wirklich Gedanken darum machen möchte, weshalb die Dinge sind, wie sie eben sind, dem sei dieser Text ans Herz gelegt.

Alles in allem kann man getrost sagen: auf die Strasze, ja, aber nicht so, und nicht mit Querfrontlern und Europafaschisten.